Zu lange Krallen beim Hund: Symptome, Folgen und was Sie sofort tun sollten
Zu lange Krallen können für Hunde schmerzhaft werden und langfristig Gelenke und Haltung verändern. Erfahren Sie, wie Sie typische Symptome erkennen, wann ein Tierarzt nötig ist und wie Sie vorbeugen.
Viele Hundebesitzer unterschätzen die Bedeutung regelmäßiger Krallenpflege. Überlange Krallen sind nicht nur ein kosmetisches Problem – sie können Schmerzen, Fehlstellungen und Entzündungen verursachen. In diesem Beitrag lesen Sie, woran Sie typische Symptome bei zu langen Krallen erkennen, welche Folgen drohen und welche einfachen Schritte sofort helfen.
Woran erkennen Sie, dass die Krallen zu lang sind?
- Klackern beim Laufen: Auf harten Böden sind deutlich hörbare Klickgeräusche ein typisches Zeichen.
- Berührung der Bodenfläche: Die Krallen berühren den Boden statt nur die Ballen – die Pfote wirkt flacher.
- Veränderte Gangart: Ihr Hund läuft anders, tritt kürzer oder zeigt leichtes Hinken.
- Vermehrtes Lecken oder Kauen an den Pfoten: Oft versucht der Hund, den Bereich zu entlasten.
- Einwachsen oder Verformen: Krallen können einrollen und ins Krallenbett drücken.
- Risse, Splitter oder Blutungen: Bruch und Einrisse treten leichter auf.
- Schmerzanzeichen: Berührungsempfindlichkeit, Vermeiden von Springen oder Treppensteigen, Abnahme der Aktivität.
Warum entstehen überlange Krallen?
Die Krallenlänge hängt von Bewegung, Untergrund und individueller Anatomie ab. Häufige Ursachen:
- Zu wenig Abnutzung: Wohnungen mit weichen Böden oder zu wenig Spaziergänge auf harten Untergründen verhindern das natürliche Abrasieren.
- Alter und Bewegungsfreude: Ältere oder weniger aktive Hunde nutzen die Krallen seltener ab.
- Rasse und Krallenwachstum: Bei manchen Rassen wachsen die Krallen stärker.
- Dewclaws (Wolfskrallen): Sie berühren meist nicht den Boden und werden oft zu lang, wenn sie nicht geschnitten werden.
- Erkrankungen: Schmerzen im Gelenk (z. B. Arthrose) führen dazu, dass ein Hund die Pfote anders belastet – das kann sekundär zu langen Krallen führen.
Welche gesundheitlichen Folgen drohen?
Bleiben Krallen dauerhaft zu lang, sind die möglichen Folgen nicht zu unterschätzen:
- Haltungs- und Gelenkveränderungen: Durch veränderte Belastung können Schulter, Ellbogen und Hüften über Jahre Schaden nehmen.
- Einwachsen der Kralle: Schmerzhafte Durchdringungen in die Haut bis hin zu Infektionen sind möglich.
- Erhöhtes Verletzungsrisiko: Längere Krallen reißen leichter aus oder brechen unschön ab.
- Chronische Schmerzen: Die permanente Fehlbelastung führt zu Schonhaltungen und reduziertem Wohlbefinden.
Wann sollten Sie zum Tierarzt?
Suchen Sie beim Auftreten folgender Anzeichen umgehend eine Praxis auf:
- Deutliche Lahmheit oder plötzliches Hinken
- Starke Rötung, Schwellung oder eitriger Ausfluss am Krallenbett
- Ein Kralle ist eingerissen, blutet stark oder hängt nur noch
- Ihr Hund zeigt starke Schmerzreaktionen beim Berühren der Pfote
- Sie sind unsicher beim Schneiden (z. B. dunkle Krallen oder ängstlicher Hund)
Der Tierarzt kann prüfen, ob eine Infektion (z. B. Krallenbettentzündung), ein eingewachsener Nagel oder orthopädische Probleme vorliegen. Gegebenenfalls sind Schmerzmittel, Antibiotika oder eine professionelle Entfernung/Behandlung nötig.
Erste Hilfe bei blutenden Krallen
- Beruhigen Sie den Hund und legen Sie Druck auf die Wunde.
- Stellen Sie styptische Mittel (z. B. Styptikpulver) bereit; alternativ kann auch Mehl oder Maisstärke helfen, um die Blutung zu stillen.
- Bei starkem Blutverlust oder wenn die Blutung nicht stoppt: ab zum Tierarzt.
Krallen kürzen: Tipps für sichere Pflege
Regelmäßige Kontrolle ist der beste Schutz. So gehen Sie vor:
- Prüfen Sie monatlich alle Zehen – Dewclaws nicht vergessen.
- Schneiden Sie Krallen auf eine Länge, bei der sie den Boden nicht berühren. Bei hellen Krallen ist das schneller sichtbar.
- Bei dunklen Krallen schneiden Sie nur wenig und achten auf das weiche Innere (den „Quick“). Wenn die Kralle beim Schneiden glasig oder dunkel wird, stoppen.
- Verwenden Sie geeignete Krallenschneider oder einen Schleifer/Grinder für Abrundungen.
- Belohnen Sie den Hund, damit die Prozedur positiv erlebt wird.
- Bei Unsicherheit: lassen Sie die erste Kürzung vom Tierarzt oder professionellen Hundefriseur zeigen.
Vorbeugen: So reduzieren Sie das Risiko
- Regelmäßige Spaziergänge auf hartem Untergrund (Gehwege, Kies) fördern natürliche Abnutzung.
- Pfotenpflege in die Routine integrieren – Kontrolle nach jedem Spaziergang ist sinnvoll.
- Besonders bei Wohnungshunden: monatliches Krallenschneiden einplanen.
- Frühzeitiges Training an Pfotenhandling für Welpen erleichtert spätere Pflege.
Wann ist eine tierärztliche Krallenpflege sinnvoll?
Wenn Krallen sehr lang sind, eingewachsen oder bereits entzündet, übernimmt der Tierarzt oft das Kürzen – ggf. unter Sedierung. Auch Zahnfleisch-ähnliche Veränderungen am Krallenbett, starke Schmerzen oder wiederkehrende Entzündungen sollten professionell behandelt werden.
Weiterführende Ressourcen
Mehr Informationen und praktische Anleitungen finden Sie z. B. bei AniCura oder in tierschutzorientierten Ratgebern wie dem VDSV-Artikel zur Krallenpflege. Bei akuten Problemen kontaktieren Sie Ihre Tierarztpraxis.
Fazit
Zu lange Krallen beim Hund beginnen oft harmlos (Klackern, leichte Schonhaltung), können aber schnell schmerzhaft und langfristig schädlich werden. Regelmäßige Kontrolle, rechtzeitiges Kürzen und professionelle Hilfe bei Problemen schützen die Gesundheit Ihres Hundes. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt – frühes Handeln erspart oft größere Behandlungen.
Benötigen Sie eine Checkliste oder Anleitung zum sicheren Krallenschneiden? Sagen Sie mir, für welche Rasse oder welchen Hundetyp (Welpe, Senior) Sie Informationen möchten, dann schreibe ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.
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