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Wenn Juckreiz durch die Luft kommt: Milbenallergie beim Hund erkennen und behandeln

Lukas Fuchs vor 4 Wochen Allergien bei Hunden und Katzen 3 Min. Lesezeit

Eine Milbenallergie kann beim Hund starken Juckreiz, Hautentzündungen oder sogar Atemprobleme auslösen. Dieser Artikel erklärt verständlich, wie Sie die Ursachen erkennen, welche Tests sinnvoll sind und welche wirkungsvollen Behandlungs- und Management‑Strategien es gibt.

Was ist eine Milbenallergie beim Hund?

Bei einer Milbenallergie reagiert das Immunsystem des Hundes überempfindlich auf Proteine von Milben – am häufigsten Hausstaubmilben oder Vorrats- beziehungsweise Futtermilben. Wichtig: Es geht nicht um eine Infektion durch Milben, sondern um eine Allergie gegen Bestandteile der Milben (Kot, Körperreste, Sekrete).

Typische Symptome

  • Starker Juckreiz, besonders an Kopf, Hals, Innenseiten der Hinterbeine und Pfoten
  • Rötung, Schuppenbildung und Haarausfall (lokal oder großflächig)
  • Wiederkehrende Hautentzündungen oder bakterielle Sekundärinfektionen
  • Manchmal Atemwegszeichen: Niesen, Husten, laufende Nase – seltener als bei Katzen und Menschen
  • Bei Futtermilben zusätzlich gelegentlich Verdauungsstörungen

Ursachen: Welche Milben kommen infrage?

  • Hausstaubmilben (Dermatophagoides spp.): leben in Matratzen, Betten, Polstern und Teppichen – Auslöser vor allem für inhalative Allergien.
  • Vorrats‑/Futtermilben (z. B. Tyrophagus, Acarus): vermehren sich in feuchtem Trockenfutter und können durch Kontakt oder Aufnahme Symptome auslösen.
  • Andere Milben wie Sarcoptes (Räude) oder Demodex verursachen eigene Erkrankungen; hier ist die Behandlung anders und nicht primär allergisch bedingt.

Diagnose: Wie findet der Tierarzt die Milbenallergie?

Die Abklärung erfolgt schrittweise:

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Saison, Umfeld, Futterwechsel und Ort des Juckreizes geben wichtige Hinweise.
  • Ausschluss anderer Ursachen: Flohspeichelallergie, Futtermittelallergie, Parasiten (z. B. Sarcoptes), bakterielle oder Pilzinfektionen müssen ausgeschlossen werden.
  • Hauttests: Intrakutantest (IDT) beim Dermatologen gilt als zuverlässiger für inhalative Allergene.
  • Serologische Tests (IgE‑Antikörper‑Nachweis): praktisch, aber mit Fehlerraten – Ergebnisse müssen zum klinischen Bild passen.
  • Futter‑ und Eliminationsversuche, bei Verdacht auf Futtermilben oder Nahrungsallergie.
  • Hautkratzer/-zellen und bei Räude gezielte Therapieversuche, da Sarcoptes oft schwer im Kratzpräparat sichtbar ist.

Behandlung: Symptomlinderung und Ursachenmanagement

Eine Milbenallergie ist meist nicht „heilbar“, aber sehr gut beherrschbar mit einer Kombination aus Medikamenten, Hautpflege, Umweltmaßnahmen und in vielen Fällen Immuntherapie.

Akute Symptomkontrolle

  • Glukokortikoide (kortisonartige Wirkstoffe) bringen schnell Linderung bei starkem Juckreiz – kurzfristig sehr wirksam.
  • Unterstützende Antipruritika: Oclacitinib (z. B. Apoquel) wirkt gezielt gegen Juckreiz; monoclonale Antikörper gegen IL‑31 (z. B. Lokivetmab/Cytopoint) sind bei vielen Hunden gut verträglich.
  • Immunmodulatoren wie Ciclosporin (Atopica) können bei chronischem Bedarf helfen.
  • Antibiotika oder Antimykotika bei sekundären Hautinfektionen nach bakterieller oder pilzlicher Besiedlung.

Längerfristige Maßnahmen

  • Allergen‑spezifische Immuntherapie (ASIT): Nach Testung kann eine Hyposensibilisierung per Tropfen/Injektion gewählt werden. Viele Hunde profitieren langfristig und benötigen weniger Medikamente.
  • Topische Pflege: regelmäßige milde Waschungen mit medizinischen Shampoos, Hautbarriere stärkende Präparate und Omega‑3‑Fettsäuren unterstützen die Heilung.

Umweltmaßnahmen gegen Hausstaub‑ und Futtermilben

Wenngleich nicht alle Maßnahmen jede Allergiesymptomatik beseitigen, reduzieren sie die Allergenbelastung deutlich:

  • Hundebett regelmäßig (mindestens 60 °C) waschen und Betten mit milbendichten Bezugsstoffen (Encasings) schützen.
  • Teppiche, Polster und Stoffspielzeuge minimieren oder regelmäßig reinigen; HEPA‑Staubsauger verwenden.
  • Luftfeuchte reduzieren (Ziel: <50 %) mit Luftentfeuchter – Milben lieben feuchte Umgebungen.
  • Regelmäßiges Lüften, Sonnen der Textilien und ggf. Einsatz von HEPA‑Luftfiltern.
  • Bei Futtermilben: Trockenfutter in luftdichten Behältern lagern, in kleinen Portionen kaufen, Verpackung nicht offen liegen lassen; Trockenfutter 48–72 Stunden einfrieren kann Vorratsmilben reduzieren.
  • Futterschüsseln und Lagerbereiche sauber halten; bei starkem Befall auf Nassfutter/Rationierung umsteigen.

Abgrenzung: Wann handelt es sich nicht um eine Milbenallergie?

Intensiver, ansteckender Juckreiz bei mehreren Tieren spricht eher für Räude (Sarcoptes). Lokale kahle Stellen und juvenile betroffene Hunde können auf Demodex hinweisen. Eine klare Diagnostik durch den Tierarzt ist wichtig, bevor man eine Allergietherapie beginnt.

Prognose und Alltagstipps

Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad. Viele Hunde werden mit einer Kombination aus Medikation, Hautpflege, Umgebungsmanagement und gegebenenfalls Immuntherapie gut bis sehr gut symptomatisch stabilisiert. Wichtig ist konsequentes Management, da Rückfälle bei fehlenden Umweltmaßnahmen häufig sind.

Wann zum Tierarzt?

  • Bei anhaltendem oder zunehmendem Juckreiz
  • Bei offenen oder nässenden Hautstellen (Infektionsgefahr)
  • Wenn mehrere Tiere im Haushalt betroffen sind

Lassen Sie Ihren Hund von einer Tierarztpraxis oder einem dermatologisch erfahrenen Kollegen untersuchen. Eine gezielte Diagnostik ist der Schlüssel zu einer langfristig erfolgreichen Therapie.

Weiterführende Informationen finden Sie z. B. bei veterinärmedizinischen Anbietern wie Nextmune oder in Praxisratgebern (z. B. Tierarztpraxen mit Fachartikeln).

Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine kurze Checkliste für die ersten Schritte (Tierarzt‑Termin, Fotos, Tagebuch zu Saison/Futter/Umgebung) erstellen.

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