Wenn der Hund Druckstellen kriegt: Liegeschwielen erkennen, behandeln und vorbeugen
Liegeschwielen beim Hund sind weit verbreitet — besonders bei älteren, schweren oder wenig bewegten Tieren. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Liegeschwielen sicher erkennen, wann Tierarztbesuch nötig ist, welche Haus- und Medizinmaßnahmen helfen und wie Sie Ihrem Hund langfristig Schmerzen und Narben ersparen können.
Was sind Liegeschwielen?
Liegeschwielen (auch Schwielen, Schwiele oder Druckstellen genannt) sind verhornte, oft haarlose und verdickte Hautstellen, die meist über knöchernen Vorsprüngen wie den Ellenbogen, Sprunggelenken oder dem Brustbein entstehen. Sie sind eine Reaktion auf wiederkehrenden Druck und Reibung — vergleichbar mit Hornhaut beim Menschen. Typisch sind eine dunklere Färbung, eine feste Struktur und manchmal ein kleiner wulstartiger „Knubbel“.
Typische Ursachen
- Harte Liegeflächen (Fliesen, Beton, ungepolsterte Körbe)
- Große und schwere Rassen, die mehr Druck auf Gelenkstellen ausüben
- Ältere oder bewegungseingeschränkte Hunde (weniger Positionswechsel)
- Übergewicht, das den Druck erhöht
- Geringe Fell- oder Hautfettpflege
- Chronische Krankheiten, die Liegeverhalten verändern (z. B. Arthritis, Lähmungen)
Symptome: Woran erkennen Sie Liegeschwielen beim Hund?
Die häufigsten Zeichen sind:
- Lokale Haarlosigkeit über Knochenvorsprüngen
- Verdickte, raue oder verhornte Haut (oft dunkel)
- Kleine Knubbel oder flache harte Stellen
- Gelegentlich Rötung, Aufbrechen oder nässende Wunden bei Entzündung
- Der Hund vermeidet, auf einer Seite zu liegen oder zeigt Schmerz beim Berühren
Wichtig: Offene, nässende oder übel riechende Stellen deuten auf eine Infektion oder sekundäre Hautverletzung hin und erfordern den Tierarzt.
Wann ist der Tierarzt notwendig?
Besuchen Sie den Tierarzt, wenn:
- Die Schwiele blutet, nässt oder riecht
- Sie eine rote, entzündete Ränder, starke Schwellung oder Schmerzen feststellen
- Der Hund lahmt oder deutlich unwohl wirkt
- Sie unsicher sind, ob es sich wirklich um eine Liegeschwiele handelt (andere Hauterkrankungen können ähnlich aussehen)
Der Tierarzt kann die Stelle untersuchen, ggf. eine Hautprobe, Zytologie oder Kultur anlegen und eine passende Therapie verordnen.
Behandlung: Schritt für Schritt
- Reinigung: Bei offenen Stellen vorsichtig mit lauwarmer Kochsalzlösung säubern. Keine aggressive Desinfektion ohne Tierarzt.
- Entzug von Druck: Weiche, gepolsterte Lagerungsmöglichkeiten schaffen (siehe Vorbeugung).
- Feuchtigkeit und Schutz: Salben oder Cremes, die feuchtigkeitsspendend und schützend wirken, unterstützen die Heilung. Produkte auf Basis von Dexpanthenol, Zinkoxid oder speziell formulierten Liegeschwielen-Salben sind oft hilfreich.
- Medikamentöse Therapie: Bei entzündeten oder infizierten Schwielen kann der Tierarzt lokale Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel verschreiben.
- Chirurgische Maßnahmen: Sehr selten — nur bei großen, schmerzhaften Veränderungen oder wenn sich eine chronische, infizierte Wulst gebildet hat.
Wichtig: Niemals verhornten Gewebe großflächig abkratzen. Das kann zu Blutungen, schmerzhaften Wunden und Infektionen führen.
Hausmittel — ja oder nein?
Einige Hausmittel können unterstützend wirken, sollten aber mit Vorsicht eingesetzt werden:
- Aloe Vera oder Kokosöl als milde Feuchtigkeitsspender — nur bei intakter Haut.
- Sanfte, regelmäßige Massage der umliegenden Haut fördert Durchblutung.
- Wärme vermeiden, wenn die Stelle entzündet ist.
Bei offenen oder entzündeten Schwielen unbedingt den Tierarzt konsultieren, bevor Hausmittel angewendet werden.
Vorbeugung — effektiv und langfristig
Vorbeugen ist oft einfacher als Behandeln. Die wichtigsten Maßnahmen:
- Gepolsterte Liegeplätze: Dicke Hundematratzen, orthopädische Betten oder extra Polster an bekannten Druckpunkten (Ellenbogenkissen) reduzieren die Belastung.
- Wechsel der Liegefläche: Abwechslungsreiche, weiche Unterlagen (z. B. Körbchen, Decken) sorgen dafür, dass der Hund öfter die Position wechselt.
- Gewichtsmanagement: Normalgewicht vermindert den Druck auf Gelenke und Haut.
- Bewegung und Mobilität fördern: Regelmäßige Bewegung, physiotherapeutische Maßnahmen oder Gelenktherapien bei Arthritis helfen dem Hund, öfter die Position zu wechseln.
- Haut- und Fellpflege: Regelmäßiges Bürsten, Pfoten- und Ellenbogenpflege sowie kontrollierte Pflegeprodukte verhindern Austrocknung.
Erwartete Heilungsdauer
Die Heilung kann je nach Schweregrad Wochen bis Monate dauern. Kleinere, nicht entzündete Schwielen lassen sich durch Druckentlastung und Pflege in einigen Wochen merklich verbessern. Chronische, stark verhornte Stellen brauchen länger und benötigen ggf. tierärztliche Begleitung.
Praktische Pflegetipps für den Alltag
- Stellen Sie mehrere weiche Liegeplätze in verschiedenen Räumen bereit.
- Verwenden Sie rutschfeste Unterlagen, damit der Hund leichter aufstehen kann.
- Bei älteren Hunden öfter die Liegeposition kontrollieren und Polster austauschen, wenn sie durchgelegen sind.
- Bei Bedarf spezielle Ellenbogen-Pads oder Orthesen in Absprache mit dem Tierarzt einsetzen.
Weiterführende Quellen
Gute Hintergrundinfos und Pflegeanleitungen finden Sie z. B. bei einschlägigen Tierportalen oder in Ratgebern wie dem zooplus Magazin oder dem allgemeinen Artikel zu Druckgeschwüren auf Wikipedia (Dekubitus). Bei Unklarheiten immer den Tierarzt fragen.
Fazit
Liegeschwielen beim Hund sind in vielen Fällen gut behandelbar und lassen sich mit einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren. Wichtig sind Druckentlastung, passende Liegeflächen, Hautpflege und bei Infektionen die rechtzeitige tierärztliche Behandlung. Mit etwas Aufmerksamkeit und den richtigen Hilfsmitteln können Sie das Wohlbefinden Ihres Hundes deutlich verbessern.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei akuten Beschwerden oder entzündeten Wunden suchen Sie bitte eine Tierarztpraxis auf.
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