Dermoid Sinus beim Hund: Erkennen, Behandlung und Zuchtverantwortung
Kurz und prägnant: Was ein Dermoid Sinus ist, warum vor allem Rhodesian Ridgebacks betroffen sind und welche Schritte Hundebesitzer und Züchter kennen sollten, um Risiken zu minimieren.
Was ist ein Dermoid Sinus?
Ein Dermoid Sinus (auch Dermoidsinus oder DS genannt) ist eine angeborene Fehlbildung der Haut: eine schlauch- oder taschenförmige Einstülpung, die meist entlang der Rückenmittellinie liegt. Diese blind endenden Gänge können oberflächlich bleiben oder mehrere Zentimeter tief reichen. Bei manchen Hunden besteht ein engerer Zusammenhang mit tieferen Strukturen bis hin zu den Wirbelbändern — selten sogar eine Verbindung zum Rückenmark.
Warum taucht der Dermoid Sinus auf — wer ist betroffen?
Der Dermoid Sinus ist genetisch bedingt und tritt bei mehreren Rassen auf, am bekanntesten jedoch beim Rhodesian Ridgeback. Studien und Zuchtbeobachtungen schätzen die Häufigkeit bei Ridgebacks auf etwa 2–3 % der Population. Auch andere Rassen können betroffen sein, allerdings deutlich seltener.
Typische Symptome und Befunde
- Offensichtliche Hautöffnung oder kleine punktförmige Poren entlang der Rückenhaut (häufig im Nacken- bis Brustbereich)
- Schwellung, schmerzhafte Knoten oder Abszesse
- Wiederkehrende Entzündungen mit eitrigem Ausfluss
- Bei tieferen Verbindungen neurologische Auffälligkeiten (selten): Schwäche, Schmerzen oder Koordinationsstörungen
- Manchmal ist der Dermoid Sinus nur zufällig bei einer Routineuntersuchung oder beim Fellwechsel sichtbar
Diagnose: Wie wird ein Dermoid Sinus erkannt?
Die Untersuchung beginnt beim Tierarzt mit Inspektion und Palpation. Zur Abklärung der Tiefe und möglicher Verbindungen können folgende Verfahren eingesetzt werden:
- Faden- oder Kontrastmitteltest (sanftes Einführen eines Markers in den Kanal)
- Ultraschall zur Abschätzung der Tiefe
- Röntgen mit Kontrastmittel oder CT/MRT bei Verdacht auf Verbindung zum Wirbelkanal
- Zytologie oder bakteriologische Kultur bei eitrigem Ausfluss
Behandlung: Operative Entfernung ist Standard
Die einzige dauerhafte Therapie ist die vollständige chirurgische Entfernung des Ganges und eventuellen Zystengewebes. Wichtige Punkte zur Operation:
- Ziel ist en bloc-Exzision, damit kein Restepithel zurückbleibt (sonst Rezidivgefahr).
- Bei infiziertem Gewebe wird oft vorab antibiotisch behandelt und eine Entzündung reduziert.
- Bei tieferen Verbindungen kann eine Bildgebung vor OP und eine fachchirurgische Expertise erforderlich sein.
- Bei komplizierten Fällen (Verbindung zum Rückenmark) ist interdisziplinäre Planung mit Neurochirurgie oder spezialisierten Tierkliniken ratsam.
Nachbehandlung beinhaltet Wundkontrollen, ggf. Antibiotika, Schmerztherapie und Schonung. Bei korrekter Komplettentfernung ist die Prognose in der Regel sehr gut; nur selten kommt es zu Rückfällen.
Risiken, Komplikationen und Kosten
- Unbehandelt: wiederkehrende Entzündungen, Abszessbildung, selten neurologische Komplikationen.
- Operation: Standardrisiken wie Blutung, Infektion, Narbenbildung oder gelegentlich unvollständige Entfernung mit Rezidiv.
- Kosten: abhängig von Aufwand, Bildgebung und Klinik; einfache Exzision günstiger, komplexe Fälle mit CT/MRT und Spezialchirurgie teurer. Holen Sie vorab Kostenvoranschläge ein.
Genetik, Gentests und Zuchtempfehlungen
Da der Dermoid Sinus erblich ist, haben Züchter eine besondere Verantwortung. Es gibt genetische Marker und Gentests, die das Risiko abschätzen helfen. Informationen und Testangebote finden sich bei fachspezifischen Anbietern (z. B. Labogen) oder beim Rasseverein (z. B. DZRR, DRRC). Wichtig:
- Positive Testergebnisse sollten bei der Zuchtplanung berücksichtigt werden, um das Auftreten zu reduzieren.
- Transparenz: Welpeninteressenten über das Risiko informieren.
- Regelmäßige Untersuchung von Zuchttieren und ggf. bildgebende Kontrollen.
Praktische Tipps für Hundebesitzer
- Kontrollieren Sie die Rückenlinie Ihres Hundes regelmäßig — besonders bei Rassen mit erhöhtem Risiko.
- Bei sichtbaren Öffnungen, Schwellungen oder wiederkehrendem Eiterausfluss sofort den Tierarzt aufsuchen.
- Vor geplanter Zucht: Gentest durchführen lassen und Ratschläge von Zuchtvereinen einholen.
- Bei Operation: Fragen Sie nach vollständiger Entfernung, Histologie und Nachsorgeplan.
Weiterführende Empfehlungen und Links
Für vertiefende Informationen und örtliche Ansprechpartner können die folgenden Seiten hilfreich sein (Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum):
- DiploVets: Dermoid Sinus des Hundes
- Tierarztpraxis Dr. Laube: Dermoidsinus
- Labogen: Informationen zum Gentest Dermoid Sinus
- DZRR: Dermoid Sinus Gentest (Beispiel)
Fazit
Der Dermoid Sinus ist eine behandelbare, meist angeborene Hautfehlbildung, die vor allem bei bestimmten Rassen wie dem Rhodesian Ridgeback auftritt. Früherkennung, fachgerechte Diagnostik und eine vollständige chirurgische Entfernung führen in den meisten Fällen zu einer sehr guten Prognose. Für Züchter ist die Nutzung von Gentests und transparentes Management wichtig, um das Risiko in der Population zu verringern. Bei Verdacht oder Fragen konsultieren Sie frühzeitig Ihren Tierarzt oder eine spezialisierte Klinik.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt nicht die tierärztliche Beratung. Jeder Hund ist individuell — zur sicheren Diagnose und optimalen Therapie bitte immer eine fachliche Untersuchung vor Ort vereinbaren.
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