Hund: Hinterbeine rutschen weg – Ursachen, Diagnose und sofortige Hilfe
Wenn die Hinterbeine deines Hundes immer wieder wegrutschen oder er beim Aufstehen und Laufen abrutscht, ist das beängstigend. In diesem Artikel erfährst du, warum Hunde die Hinterbeine verlieren, welche Diagnosen infrage kommen und was du kurzfristig und langfristig tun kannst.
Der Ausdruck „hund hinterbeine rutschen weg" beschreibt ein sichtbares Versagen der Hinterhand: dein Hund gleitet seitlich weg, knickt ein oder kann die Pfoten nicht richtig aufsetzen. Das Symptom kann harmlos sein — oder Hinweis auf ernsthafte orthopädische oder neurologische Probleme. Wichtig ist: beobachte genau, sammle Informationen und suche gegebenenfalls schnell tierärztliche Hilfe.
Wie zeigt sich das Problem? Typische Symptome
- Hinterbeine „schlappen“ beim Gehen, Ausrutschen auf glatten Böden
- Ein oder beide Hinterbeine knicken weg beim Aufstehen oder beim Laufen
- Pfotenschleifen, Unsicherheiten (Ataxie), Stolpern
- Veränderter Gang: Schwanken, Kreisbewegungen oder Umfallen
- Schmerzen beim Berühren von Hüfte, Rücken oder Knie
- In schweren Fällen Inkontinenz oder Lähmungserscheinungen
Häufige Ursachen, wenn die Hinterbeine rutschen
Die Ursachen lassen sich grob in muskuloskelettale, neurologische und metabolische/andere Einflüsse gliedern:
1. Muskuloskelettal
- Arthrose und Gelenkabnutzung (Hüfte, Knie, Sprunggelenk) – schmerzbedingt stützt die Hinterhand nicht mehr zuverlässig.
- Hüftdysplasie oder Ellenbogenprobleme – vor allem bei Mittel- und Großrassen.
- Ruptur des Kreuzbandes (vorderer Kreuzbandriss) – führt oft zu Lahmheit und Instabilität.
- Hyperflexion (Überbeugung im Sprunggelenk) – das Bein „sinkt“ ab.
2. Neurologisch
- Intervertebrale Bandscheibenerkrankung (IVDD) – Druck auf Rückenmark kann Hinterhand schwächen.
- Degenerative Myelopathie – fortschreitende, unheilbare Rückenmarkerkrankung, beginnt meist mit Schwäche der Hinterbeine.
- Lumbosakrale Stenose / Cauda-Equina-Syndrom – Schmerzen und Nervenstörungen im Beckenbereich.
- Periphere Nervenverletzungen, Entzündungen, Infektionen oder Tumoren.
- Ataxien und andere neurologische Störungen (z. B. Schlaganfall, Myopathien).
3. Stoffwechsel / Toxisch / Systemisch
- Elektrolytstörungen (z. B. Hypokaliämie) oder schwere Stoffwechselentgleisungen.
- Toxine, Vergiftungen (z. B. bestimmte Insektizide) oder Nervengifte.
- Schwere Muskelerkrankungen oder Sekundärerscheinungen bei systemischen Erkrankungen.
Wann ist es ein Notfall?
Suche sofort einen Tierarzt, wenn zusätzlich zu rutschenden Hinterbeinen eines der folgenden Zeichen auftritt:
- plötzliche Lähmung oder massive Schwäche
- starke Schmerzen, Aufjaulen beim Bewegen
- Verlust von Kontrolle über Blase oder Darm
- Atmungsschwierigkeiten oder allgemeine Schwäche
Was macht der Tierarzt? Diagnostischer Ablauf
Der Tierarzt beginnt mit einer gründlichen Anamnese (Wann begann es? plötzlich oder schleichend? Rassen- und Altersangaben?). Dann folgen:
- Körperliche und orthopädische Untersuchung (Manipulation, Krafttest, Kreuzbandtest)
- Neurologische Untersuchung (Reflexe, propriozeptive Tests, Schmerzlokalisation)
- Blutuntersuchungen (Entzündungswerte, Elektrolyte, Organfunktionen)
- Röntgenaufnahmen zur Beurteilung von Knochen und Gelenken
- Bei Verdacht auf Rückenmark- oder Nervenprobleme: CT/MRT, Myelographie, ggf. Liquor-Analyse
- Elektromyographie (EMG) oder Nervenleitgeschwindigkeit zur Diagnose von Nervenschäden
Behandlungsoptionen je nach Ursache
Therapie richtet sich nach Diagnose:
- Konservative Orthopädie: Ruhe, Gewichtsreduktion, Schmerztherapie (NSAIDs nur nach tierärztlicher Empfehlung), Physiotherapie und gelenkschonende Bewegung (Schwimmen).
- Chirurgische Eingriffe: z. B. TPLO/TPLO-Alternativen bei Kreuzbandriss oder Dekompression bei Bandscheibenvorfall.
- Spezielle neurologische Behandlungen: Kortison/Immunsuppressiva bei entzündlichen Nervenerkrankungen, teilweise operative Dekompression bei Wirbelsäulenengstellen.
- Rehabilitative Maßnahmen: Hydrotherapie, Muskelaufbau, Elektrotherapie, Balance- und Gehtraining sowie Orthesen oder Rollwagen für fortgeschrittene Fälle.
- Ergänzend: Akupunktur, Physiotherapien und strukturelle Anpassungen zu Hause.
Praktische Sofortmaßnahmen zu Hause
- Vermeide Treppen und rutschige Böden — lege Teppiche oder Antirutsch-Matten aus.
- Nutze einen Hüft-/Geh-Hundegurt zum Stützen beim Aufstehen und Treppensteigen.
- Reduziere schrittweise die Spaziergänge auf gelenkschonende, kurze Runden; plane kontrollierte Bewegungsübungen.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Hinterhand zusätzlich.
- Gib keine Schmerzmittel ohne Rücksprache mit dem Tierarzt.
Vorbeugung und langfristige Pflege
- Frühe Sozialisierung und altersgerechtes Muskelaufbau-Training: kontrollierte Übungen, Schwimmen und Physiotherapie.
- Regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt, insbesondere bei Rassen mit genetischer Prädisposition (z. B. Hüftdysplasie).
- Gutes Management von chronischen Erkrankungen (Arthrose-Therapie, Nahrungsergänzungen nur nach Absprache).
- Wohnumfeld anpassen: rutschfeste Böden, Rampen statt Sprünge, geeignete Schlafplätze.
Weiterführende Quellen
Vertiefende Informationen findest du unter anderem bei Santevet (Ataxie beim Hund), Ortocanis (Übungen für die Hinterbeine) und Hillbury (Pfotenschleifen & neurologische Ursachen).
Fazit — was du jetzt tun solltest
Wenn dein Hund die Hinterbeine rutschen lässt, dokumentiere die Symptome (Video ist sehr hilfreich), beschreibe Verlauf und begleitende Zeichen deinem Tierarzt und handle nach Schweregrad: Notfall bei plötzlicher Lähmung oder Inkontinenz, ansonsten zeitnahe tierärztliche Abklärung mit Fokus auf orthopädischer und neurologischer Diagnostik. Mit gezielter Diagnose und Therapie lässt sich bei vielen Erkrankungen die Lebensqualität deutlich verbessern.
Hast du ein Video oder Fotos deines Hundes — nimm sie zum Termin mit. Wenn du möchtest, kannst du hier im Blog kurz den Fall beschreiben (Rasse, Alter, Verlauf); ich gebe gern Hinweise, welche Informationen für den Tierarzt besonders wichtig sind.
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