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Durchtrittigkeit beim Hund: Ursachen, Symptome, Behandlung & Vorbeugung

Lukas Fuchs vor 1 Woche Hunde Gesundheit und Krankheiten 3 Min. Lesezeit

Durchtrittigkeit (Hyperextension) gehört zu den unsichtbaren Problemen, die Hundehalter schnell beunruhigen können. In diesem Artikel erfährst du klar und praxisnah, woran du Durchtrittigkeit erkennst, welche Ursachen dahinterstecken und wie du deinem Hund mit Therapie, Bandagen und Training wirkungsvoll helfen kannst.

Was ist Durchtrittigkeit beim Hund?

Durchtrittigkeit, auch Hyperextension genannt, beschreibt eine übermäßige Beugung oder ein Absinken eines Gelenks – meist des Carpalgelenks (vordere Pfote) oder seltener des Sprunggelenks. Sichtbar wird das als "Einsacken" der Pfote oder als "Knick" im Gelenk, oft begleitet von Schonhaltung oder Knicken beim Laufen. Die Ursache kann rein orthopädisch, neurologisch oder traumatisch sein.

Typische Ursachen

  • Bänderschwäche oder Bindegewebsschwäche: Angeboren oder durch Überbelastung im Wachstum (häufig bei großen Rassen und Welpen).
  • Radialisparese / Nervenschädigung: Schädigung des N. radialis führt zur Unfähigkeit, das Handgelenk aktiv zu strecken – die Pfote "knickt" durch.
  • Sehnen- oder Muskelverletzungen: Teil- oder Komplettrupturen können zu Durchtrittigkeit führen.
  • Trauma: Stürze, Bisse oder Unfälle können Bänder, Sehnen oder Nerven schädigen.
  • Entzündliche oder degenerative Erkrankungen: Arthrose, Synovialitis oder chronische Reizungen können zur Instabilität beitragen.

Woran erkenne ich Durchtrittigkeit? (Symptome)

  • Sichtbares Abkippen oder Einsinken der Vorder- oder Hinterpfote beim Stehen oder Laufen.
  • Knöchel- oder Handgelenksfehlstellung (Carpus): Pfote steht zu stark gebeugt.
  • Hinken, Schonhaltung, Vermeidung von Belastung.
  • Wärme, Schwellung oder Schmerzen am betroffenen Gelenk bei akuten Verletzungen.
  • Bei neurologischer Ursache: zusätzliches Muskelatrophie oder fehlende Reflexe.

Diagnose: Was macht die Tierärztin / der Tierarzt?

Eine gründliche Untersuchung ist wichtig, um Ursache und Schweregrad zu klären:

  1. Klinische orthopädische Untersuchung: Bewegungsprüfung, Palpation, neurologischer Status.
  2. Röntgenaufnahmen: Ausschluss von Frakturen, Gelenkveränderungen oder Fehlstellungen.
  3. Ultraschall oder MRT/CT: Bei Verdacht auf Sehnen- oder Nervenschäden.
  4. Elektromyographie (EMG) oder Nervenleitgeschwindigkeit: Bei neurologischem Verdacht.
  5. Gezielte Blutuntersuchungen: Bei entzündlichen oder systemischen Erkrankungen.

Therapieoptionen: Konservativ bis operativ

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schwere:

Konservative Maßnahmen

  • Bandagen und Orthesen: Stabilisieren das betroffene Gelenk, entlasten Bänder und Sehnen und helfen, die korrekte Stellung während Heilung oder Training zu halten. Individuell angepasst sind Bandagen oft erste Wahl. (Beispielinfos: HerzensTier)
  • Physiotherapie und gezieltes Muskelaufbautraining: Kräftigung der Unterarm- und Schulterpartie verbessert die aktive Stabilität.
  • Schonung und kontrollierte Bewegung: Kurzfristige Ruhigstellung gefolgt von langsam gesteigertem, gelenkschonendem Training (Schwimmen, kurze Spaziergänge).
  • Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können kurzfristig nötig sein (nur nach tierärztlicher Verordnung).
  • Ernährung & Gewichtskontrolle: Übergewicht vermeiden, bei Bedarf Gelenknahrung und Omega-3-Fettsäuren nach Absprache mit dem Tierarzt.

Operative Eingriffe

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder bei akuten Sehnenrupturen und bestimmten Bandverletzungen kann eine Operation nötig sein. Techniken reichen von Naht/Refixation rupturierter Strukturen bis zu stabilisierenden Eingriffen. Die Entscheidung trifft der Tierarzt gemeinsam mit dem Halter auf Basis von Befund und Lebensqualitätserwartung.

Training & Rehabilitation: praktische Tipps

  • Beginne mit stabilisierenden Übungen unter Anleitung einer Tierphysiotherapeutin/eines Tierphysiotherapeuten (Propriozeptionsübungen, Balance-Pads, kontrolliertes Bergauf/bergab-Gehen).
  • Vermeide ruckartige Sprünge, Treppen oder wildes Toben in der frühen Reha-Phase.
  • Regelmäßige, kurze Trainingseinheiten sind effektiver als gelegentliches intensives Training.
  • Nutze bei Bedarf orthopädische Hilfsmittel wie maßgefertigte Orthesen oder stabile Bandagen während der Aktivitäten.

Besondere Situationen: Welpen und Nervenschäden

Bei Welpen kann Durchtrittigkeit vorübergehend im Wachstum auftreten, vor allem bei großen Rassen. Oft hilft gezieltes Training, Gewichtskontrolle und Zeit — eine tierärztliche Kontrolle ist dennoch ratsam. Bei Verdacht auf eine Radialisparese ist eine frühzeitige neurologische Untersuchung wichtig, da die Prognose und Therapie (Physio, elektrische Stimulation, ggf. Operation) davon abhängen.

Vorbeugung: So reduzierst du das Risiko

  • Gewichtskontrolle: Übergewicht erhöht die Belastung für Bänder und Sehnen.
  • Altersgerecht und rassegerecht trainieren: Kein zu frühes Hochleistungstraining bei Welpen großer Rassen.
  • Gezieltes Muskelaufbau- und Koordinationstraining.
  • Frühe tierärztliche Abklärung bei merklicher Fehlstellung oder Hinken.

Wann sollte ich sofort zum Tierarzt?

Führe sofort eine Untersuchung durch, wenn dein Hund akut stark hinkt, Schmerzen zeigt, Schwellungen, offene Wunden oder eine plötzliche Lähmung/Schwäche auftreten. Auch chronisch auffällige Durchtrittigkeit sollte abgeklärt werden, bevor dauerhafte Gelenkschäden entstehen.

Fazit

Durchtrittigkeit beim Hund ist ein behandelbares, aber ernstzunehmendes Symptom mit vielen Ursachen. Frühzeitige Diagnose, passende Bandagen/Orthesen, gezielte Physiotherapie und Anpassung von Bewegung und Gewicht sind die Eckpfeiler einer erfolgreichen Behandlung. Bei Unsicherheit oder akuten Problemen immer den Tierarzt zuziehen — gemeinsam lässt sich meist die beste Lösung für Lebensqualität und Mobilität deines Hundes finden.

Weiterführende Informationen: Doggy Fitness – Durchtrittigkeit beim Hund | Vetwissen – Trainerische Ansätze.

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