Ridgeback ohne Ridge: Warum das Fehlen des Kamms kein Makel ist
Immer wieder taucht das Stichwort „ridgeback ohne ridge“ auf — kontrovers, emotional und für viele Züchter und Hundehalter belastet. Dieser Artikel erklärt, was ein Ridge eigentlich ist, warum einige Rhodesian Ridgebacks keinen Ridge haben, welche gesundheitlichen und ethischen Fragen damit verbunden sind und wie man verantwortungsvoll mit ridgelosen Hunden umgeht.
Was ist der „Ridge“ beim Rhodesian Ridgeback?
Der Ridge ist der namensgebende Haarstreifen auf dem Rücken des Rhodesian Ridgeback: ein flacher, nach hinten gerichteter Strich aus Haaren, der sich entgegengesetzt zur sonstigen Fellrichtung legt. Er entsteht bereits im Embryonalstadium und ist ein klar sichtbares rassespezifisches Merkmal.
Warum gibt es Ridgebacks ohne Ridge?
Ein „ridgeback ohne ridge“ ist ein Hund, dem dieses charakteristische Merkmal fehlt. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
- Genetik: Das Vorhandensein des Ridges wird vererbt. Die genaue Ausprägung kann aber von Hund zu Hund unterschiedlich sein. Manche Hunde tragen die Anlage nicht und zeigen deshalb keinen Ridge.
- Variationen: Die Ausprägung kann von einem schmalen, unvollständigen Ridge bis zu einem vollständig fehlenden Kamm reichen. Teilweise sind kleinere oder atypische Ridges schwer zu erkennen.
- Fehlinformation und Missverständnisse: In der Zuchtgeschichte wurde das Fehlen des Ridges oft falsch interpretiert — teilweise wurden ridgelose Welpen als „krank“ oder „minderwertig“ angesehen, obwohl sie meist gesund sind.
Ist ein ridgeloser Ridgeback krank?
Nein. Ein Ridgeback ohne Ridge ist in den meisten Fällen völlig gesund und unterscheidet sich nur äußerlich vom Standardbild. Wichtig zu unterscheiden ist der Ridge vom Dermoid Sinus (DS):
- Dermoid Sinus (DS): Eine angeborene Fehlbildung, die eine in die Haut verlaufende Verbindung zum Nervensystem darstellen kann. DS ist potenziell ernst zu nehmen und kann operativ entfernt werden.
- Ridge vs. DS: Nicht jeder Hund mit Ridge hat DS, und nicht jeder Hund mit DS hat einen ausgeprägten Ridge. Die beiden Phänomene sind nicht identisch, auch wenn früher teilweise ein Zusammenhang vermutet wurde.
Historische und züchterische Perspektive
Der Ridge war von Anfang an ein zuchttechnisch wichtiges Merkmal. In manchen Zuchtkreisen führte das zu einer starken Fixierung auf den Kamm — mit problematischen Konsequenzen:
- Früher wurden ridgelose Welpen in manchen Fällen aus Zuchtprogrammen ausgeschlossen oder sogar getötet. Diese Praxis wird heute weitgehend abgelehnt.
- Zuchtentscheidungen nur nach äußerlichem Erscheinungsbild zu treffen, kann gesundheitliche Risiken (z. B. höhere DS-Rate) vergrößern, wenn andere Gesundheitsaspekte vernachlässigt werden.
Moderne Zuchtkonzepte plädieren für Gesundheitsorientierung statt reiner Standardfixierung. Seriöse Züchter dokumentieren Gesundheitstests, achten auf soziale Aufzucht und setzen auf verantwortliche Paarungen.
Was bedeutet das für Käufer und Halter?
Wenn Sie nach einem Ridgeback suchen oder bereits einen ridgelosen Ridgeback haben, beachten Sie Folgendes:
- Gesundheit geht vor Optik: Ein ridgeloser Hund kann genauso vital, freundlich und sportlich sein wie ein Ridgeträger.
- Frühzeitige Untersuchung: Lassen Sie Neugeborene oder Welpen frühzeitig tierärztlich untersuchen — insbesondere auf Anzeichen eines Dermoid Sinus.
- Adoption statt Selektion: Ridgelose Tiere werden häufiger abgegeben oder nicht von Züchtern vermittelt. Für viele Rassen sind Adoptionen eine gute Option.
- Fragen Sie den Züchter: Seriöse Züchter geben Auskunft über Elterntiere, Gesundheitsprüfungen und Aufzuchtbedingungen.
Ethische Fragen: Welpen töten, aussondern oder akzeptieren?
Kontroverse Diskussionen um das Wegselektieren ridgeloser Welpen sind in Hundeforen und unter Züchtern nach wie vor präsent. Heute gilt in weiten Teilen der Zuchtgemeinschaft: Ridgelose Welpen sind keine Rechtfertigung für grausame oder leichtfertige Handlungen. Stattdessen werden alternative Wege empfohlen:
- Integration in die Liebhaber- und Familienhundzucht
- Vermittlung über Vereine oder Tierschutz
- Transparente Kommunikation mit Interessenten
Praktische Tipps für Halter und Kaufinteressenten
- Akzeptieren Sie, dass „ridgeback ohne ridge“ ein legitimer Zustand ist — kein Makel.
- Prüfen Sie den Gesundheitsstatus des Welpen und der Elterntiere; lassen Sie sich Papiere und Gesundheitsnachweise zeigen.
- Informieren Sie sich über Dermoid Sinus: Anzeichen sind meist kleine Einziehungen oder Haarbüschel auf dem Rücken in der Nähe der Wirbelsäule. Bei Verdacht sofort zum Tierarzt.
- Setzen Sie auf Züchter/Organisationen, die Gesundheit, Sozialisation und Tierschutz in den Vordergrund stellen.
Weiterführende Informationen und Quellen
Für tiefergehende Diskussionen und persönliche Erfahrungsberichte können die folgenden Seiten hilfreich sein (Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum):
- Mit oder ohne Ridge? – Maisha-Yangu (Diskussion zum Standardfetischismus)
- Zahabu – Zuchtartikel
- Rassekunde Rhodesian Ridgeback – Martin Rütter
- Gesunde Ridgeback Zucht (Informationen zur Zuchtpraxis)
Fazit
„Ridgeback ohne Ridge“ ist kein medizinisches Makel, sondern eine genetische Variante innerhalb der Rasse. Wichtiger als die Frage nach dem Kamm ist die Gesundheit und das Wohl des Hundes. Verantwortungsbewusste Zucht, transparente Informationen und die Bereitschaft, ridgelose Hunde als vollwertige Familienmitglieder anzunehmen, sind der richtige Weg — sowohl für die Tiere als auch für eine zukunftsfähige Rassepflege.
Weitere Beiträge
Der perfekte Deckzeitpunkt bei der Hündin: So klappt's!
vor 2 Monaten