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Problemhund abgeben: Wann es nötig ist — und wie du verantwortungsvoll handelst

Lukas Fuchs vor 1 Monat Hundeverhalten und Erziehung 3 Min. Lesezeit

Die Entscheidung, einen Hund abzugeben, ist emotional und komplex — besonders wenn es sich um einen Problemhund handelt. Dieser Leitfaden zeigt dir konkrete Schritte, rechtliche Aspekte und humane Alternativen, damit du verantwortungsvoll entscheidest und handelst.

Einen Problemhund abgeben zu müssen, ist für viele Halterinnen und Halter ein schwerer Einschnitt. „Problemhund“ kann viele Bedeutungen haben: Angst- und Aggressionsverhalten, starke Ressourcenverteidigung, anhaltendes Jagdverhalten, Zerstörungsdrang oder gesundheitlich begründetes Verhalten. Bevor du eine endgültige Entscheidung triffst, sind klare Informationen, fachliche Hilfe und ein strukturierter Plan wichtig — sowohl zum Schutz anderer als auch aus Fürsorge für das Tier.

1. Erst prüfen: Liegt wirklich keine andere Lösung vor?

Bevor du den Schritt „Problemhund abgeben“ gehst, solltest du diese Optionen prüfen:

  • Tierärztliche Abklärung: Schmerzen, neurologische Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen können Verhalten verändern. Ein Check beim Tierarzt ist Pflicht.
  • Fachliche Verhaltenshilfe: Verhaltenstherapeut*innen oder zertifizierte Hundetrainer*innen können oft Strategien und Trainingspläne erarbeiten – frage nach Qualifikation und Referenzen.
  • Umweltanpassungen: Managementmaßnahmen (z. B. sichere Bereiche, Maulkorbtraining, Leinenführung) reduzieren Risiken kurzfristig.
  • Medizinische Therapien: In manchen Fällen hilft eine medikamentöse Unterstützung in Kombination mit Training.
  • Unterstützung im Alltag: Hundebetreuung, Tagesbetreuung oder eine vorübergehende Pflegestelle können Entlastung bringen, bis Verhalten verbessert wird.

2. Wenn Abgabe die einzige Option ist: Verantwortungsvolle Wege

Wenn alle Alternativen ausgeschöpft sind oder die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, informiere dich über seriöse Abgabemöglichkeiten:

  • Tierschutzvereine und Tierheime: Viele Einrichtungen nehmen Hunde auf oder vermitteln an erfahrene Halter. Nutze Portale wie tierheim.de oder kontaktiere den Deutschen Tierschutzbund für Beratung.
  • Spezialisierte Auffangstellen: Für gefährliche oder stark verhaltensauffällige Hunde gibt es spezialisierte Organisationen oder Vereine, die Erfahrung mit schwierigen Fällen haben.
  • Rasse- oder „Problemhund“-Rescues: Manche Organisationen nehmen gezielt Hunde mit speziellen Anforderungen auf und vermitteln nur an geeignete Profile.
  • Keine Schnellabgabe über soziale Medien: Inserate „verschenke Hund“ ziehen oft ungeeignete Interessenten oder Tierhändler an. Seriöse Vermittlung ist prüfenpflichtig.

3. Was du bei der Abgabe vorbereiten musst

Eine saubere, vollständige Übergabe erhöht die Chancen des Hundes auf eine dauerhafte Vermittlung:

  • Medizinische Unterlagen: Impfpass, Kastrationsstatus, Befunde, Medikamentenplan.
  • Verhaltensakte: Beschreibung der Auslöser, Management-Maßnahmen, Trainingsschritte, Verträglichkeiten (Kinder, Katzen, Artgenossen).
  • Alltagsroutine: Futtertyp, Lieblingsspielzeug, Spazierzeiten, Rückzugsorte — je mehr, desto besser.
  • Kontaktinfos zu behandelnden Fachleuten: Tierarzt, Verhaltenstherapeut, Trainer.
  • Transferthemen: Chipübertragung, ggf. Kaufvertrag oder Abgabevereinbarung regeln.

4. Ehrlichkeit ist Pflicht — für Hund und neue Halter

Verschweigen oder Verharmlosen der Probleme schadet dem Tier. Seriöse Vermittler bestehen auf ausführliche Angaben und haben oft Aufnahme-Checks. Sei offen über Vorerkrankungen, Bissvorfälle, Stressoren und bisherige Trainingsversuche. Das schützt sowohl den Hund als auch mögliche neue Menschen.

5. Rechtliche und sicherheitsrelevante Punkte

  • Haftung: Als bisherige/r Halter/in haftest du für Schäden, die vor der Abgabe entstanden sind. Informiere dich über die Haftungssituation.
  • „Gefährliche Hunde“-Regelungen: In Deutschland unterscheiden sich Landesgesetze. Bei Beißvorfällen oder eingestuften Rassen können besondere Auflagen gelten — kläre das mit dem Ordnungsamt oder einem Anwalt.
  • Meldepflicht: Manche Kommunen erwarten eine Meldung bei Tierheim/Ordnungsamt bei Übergabe; informiere dich vorab.

6. Wenn Gefahr akut ist: Sofortmaßnahmen

Bei einem wirklichen Gefährdungsszenario (wiederholte Bisse, unkontrollierbare Aggression) sind schnelle Schritte nötig:

  • Ziehe sofort Fachleute hinzu (Tierarzt, Verhaltenstherapeut).
  • Setze Management-Maßnahmen um: Maulkorb, sichere Eingezäunung, getrennte Räume.
  • Erwäge eine vorübergehende Abgabe in eine erfahrene Pflegestelle oder Auffangstation — nicht sofort öffentlich vermitteln.
  • In lebensbedrohlichen Situationen bespreche humane Optionen mit dem Tierarzt (Einschläferung ist die letzte, aber in Extremfällen zu erwägende Maßnahme).

7. Nach der Abgabe: Selbstfürsorge und Prävention

Das Gefühl, den Hund abgegeben zu haben, kann Schuld- oder Trauergefühle auslösen. Sprich mit Freund*innen, Tierärzt*innen oder in Beratungsstellen. Nutze das Erlebte als Lernchance: Informiere dich über Prävention, Erziehung und geeignete Hundewahl für die Zukunft.

8. Nützliche Kontakte und weiterführende Links

Fazit

Das Thema Problemhund abgeben ist emotional, rechtlich und ethisch anspruchsvoll. Prüfe zuerst alle Alternativen (Tierarzt, Verhaltenstherapie, Management), handle ehrlich und dokumentiert und wähle bei einer Abgabe seriöse, erfahrene Stellen. So erhöhst du die Chancen, dass dein Hund sicher unterkommt und eventuell ein passendes neues Zuhause findet — und du kannst hinter deiner Entscheidung stehen.

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