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Erbkrankheiten beim Labrador: Welche Risiken kennen und wie man sie verhindert

Lukas Fuchs vor 1 Monat Hunde Zucht und Genetik 3 Min. Lesezeit

Labrador Retriever sind beliebte Familienhunde — doch wie bei vielen Rassen kommen auch beim Labrador bestimmte genetische Erkrankungen gehäuft vor. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Erbkrankheiten beim Labrador, woran Sie Symptome erkennen, welche Untersuchungen sinnvoll sind und wie verantwortungsvolle Zucht das Risiko reduziert.

Was sind Erbkrankheiten und warum sind Labradors betroffen?

Erbkrankheiten sind gesundheitliche Störungen, die (mit)durch die Gene eines Hundes vererbt werden. Bei weit verbreiteten Rassen wie dem Labrador können bestimmte schädliche Varianten durch Linienzucht oder beliebte Zuchtstämme gehäuft auftreten. Das führt dazu, dass Züchter, Halter und Tierärzte bei Labradors immer wieder auf gleiche Probleme stoßen.

Häufige Erbkrankheiten beim Labrador

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen, kurz erklärt mit typischen Zeichen, Diagnostik und Verhaltensempfehlungen:

1) Hüft- und Ellenbogendysplasie (HD, ED)

  • Was ist das? Fehlbildungen der Gelenke führen zu Gelenkverschleiß (Arthrose) und Schmerzen.
  • Symptome: lahmen, steifer Gang, weniger Sprungkraft, scheue Stufen.
  • Diagnostik: Röntgen nach FCI-/VDH- oder lokalen Richtlinien (HD/ED-Auswertung).
  • Was tun? Angepasste Bewegung, Physiotherapie, bei schwerer Dysplasie chirurgische Optionen. Wichtig: nur züchten, wenn Elterntiere klare Gutachten haben.

2) Progressive Retina-Atrophie (PRA / prcd-PRA)

  • Was ist das? Eine Gruppe erblich bedingter Netzhauterkrankungen, die oft zu Nachtblindheit und schließlich zur Erblindung führt.
  • Symptome: Nachlassen des Nachtsichtvermögens, Auge spiegelt stärker (Tapetum), später vollständiger Sehverlust.
  • Diagnostik: Augenuntersuchung durch einen ECVO-Augenarzt und DNA-Tests für bekannte PRA-Mutationen.
  • Was tun? Frühe Diagnose hilft bei Lebensqualitäts-Management; beim Züchten DNA-Tests nutzen, um keine erkrankten Kombinationen zu verpaaren.

3) Exercise-Induced Collapse (EIC)

  • Was ist das? Episoden von Schwäche oder Zusammenbruch nach intensiver Belastung, typischerweise bei jungen Hunden.
  • Symptome: Schwäche in den Hinterläufen, Koordinationsstörungen, in schweren Fällen Kollaps.
  • Diagnostik: Anamnese, klinische Prüfung, und ein verfügbarer DNA-Test identifiziert Träger/Betroffene.
  • Was tun? Belastung anpassen, Training regeln; in der Zucht Träger berücksichtigen, um betroffene Welpen zu vermeiden.

4) Zentroneurale Myopathie (CNM)

  • Was ist das? Muskelerkrankung, die zu Schwäche, Gangstörungen und Muskelatrophie führen kann.
  • Symptome: Muskelschwäche, Haltungsänderungen, oft im Welpen- oder Junghundalter sichtbar.
  • Diagnostik: Neurologische Untersuchung, Muskelbiopsie und DNA-Tests.
  • Was tun? Symptomatische Behandlung und Vermeidung von Verpaarungen zwischen Trägern.

5) Degenerative Myelopathie (DM)

  • Was ist das? Eine fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, die zur zunehmenden Lähmung der Hintergliedmaßen führt.
  • Symptome: Unsicherer Gang, Schwäche, späteres Fortbewegen nur noch mit Hilfe.
  • Diagnostik: Ausschlussdiagnostik durch den Tierarzt und genetische Tests auf bekannte Risikovarianten.
  • Was tun? Es gibt keine Heilung, physiotherapeutische Maßnahmen können Lebensqualität erhalten. Genetische Tests in der Zucht nutzen.

6) Epilepsie und andere neurologische Erkrankungen

Bei Labradoren treten sowohl idiopathische Epilepsien als auch seltener eindeutig vererbbare Formen auf. Häufig hilft eine gründliche Anamnese und neurologische Abklärung. Medikamentöse Therapie kann Anfälle kontrollieren; Zuchtentscheidungen sollten vorsichtig und datenbasiert sein.

Wie werden Erbkrankheiten festgestellt?

  • Genetische Untersuchungen (DNA-Tests) für bekannte Mutationen.
  • Fachärztliche Untersuchungen: Augenarzt (ECVO), Orthopäde für HD/ED, Neurologe.
  • Befunddokumentation: Röntgen, Augenpässe, Laborberichte und offizielle Zuchtgutachten.

Praktische Empfehlungen für Halter und Züchter

  • Vor dem Welpenkauf: Fragen Sie nach Gesundheitsnachweisen der Elterntiere (HD/ED-Befunde, Augenuntersuchungen, DNA-Tests). Seriöse Züchter legen Unterlagen vor.
  • Für Züchter: Nutzen Sie alle verfügbaren Tests, vermeiden Sie das Verpaaren zweier Träger rezessiver Erkrankungen und arbeiten Sie mit dem jeweiligen Rasseverein zusammen.
  • Für Besitzer: Regelmäßige tierärztliche Kontrollen, angepasstes Training, Gewichtskontrolle und bei auffälligen Symptomen frühzeitig untersuchen lassen.
  • Informationsquellen: Rassevereine (z. B. Retriever-Club Deutschland) und akkreditierte Labore bieten Listen mit empfohlenen Tests und Leitfäden zur Zuchtgesundheit. Beispiele: Retriever-Club Deutschland, VDH.

Fazit: Vorbeugen ist möglich und wichtig

Erbkrankheiten beim Labrador sind vielfältig, aber viele Risiken lassen sich durch verantwortungsvolle Zucht, gezielte Gentests und regelmäßige Fachuntersuchungen deutlich reduzieren. Als Welpeninteressent, Halter oder Züchter zahlt es sich aus, auf transparente Gesundheitsvorsorge zu achten — das schützt die Hunde und sorgt für mehr Lebensqualität.

Wenn Sie konkrete Fragen zu Tests oder zu einem betroffenen Hund haben, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt oder einem spezialisierten Genetik-Labor. Eine informierte Entscheidung ist der beste Schutz gegen erblich bedingte Leiden.

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